Verein der Gartenfreunde Süd-Lehe E.V.
Verein der Gartenfreunde Süd-Lehe E.V.

Vereinsgeschichte aus der Sicht des Jahres 1992 anlässlich des 60-jährigen Bestehens

1932, während der Weltwirtschaftskrise, als auch in den Unterweserorten ein hoher Prozentsatz schlecht versorgter Arbeitsloser vorhanden war, haben sich ein Dutzend Männer zusammengetan, um etwas gegen die erzwungene Beschäftigungslosigkeit und die schlechte Versorgungslage ihrer Familien zu tun.

 

Etwa dort, wo jetzt die Bremerhavener Stadthalle steht, war ein Stück versumpftes Land, möglicherweise die Reste des früheren Leher Hafens. Die Gründungsväter des Vereins besorgten sich Gleise und Kipploren und füllten diese Gelände mit Erde auf, um darauf Kleingärten zu errichten. Dies war der Beginn der Vereinsgeschichte.

 

Die Gründung erfolge 1932 unter dem Namen „Kleingartenverein Süd-Lehe e. V“. Als Gründer und 1. Vorsitzender ist uns Gartenfreund Gustav Rehe in guter Erinnerung geblieben, der über Jahrzehnte die Geschicke des Vereins geleitet und begleitet hat.

 

In der Nähe der Stresemannstraße befand sich an der Geeste, etwa dort, wo heute der Bremerhavener Ruderverein und einige Gewerbebetriebe ihr Domizil haben, die soge-nannte Fuhrparkweide. Der Fuhrpark der Stadt Bremerhaven, damals noch Wesermünde genannt, arbeitete früher mit Pferden, die in den 30er Jahren nicht mehr benötigt wurden. Dies Weide wurde frei und den Kleingärtnern des Vereins zur Nutzung übergeben. Dort entstanden vor dem 2. Weltkrieg etwa 40 Gärten, auf der Ostseite begrenzt durch die noch nicht ganz fertiggestellte Stresemannstraße, auf der West- und Nordseite durch den Geestedeich.

 

Im 3. Reich wurden die demokratischen Strukturen zerschlagen. Es wurde nicht mehr gewählt und beschlossen, sondern angeordnet und geführt. An Stelle unseres demokra-tisch gewählten Vorstandes, Gustav Rehe, trat ein Vereinsführer namens Bierwirth, der bis zum Kriegsende den Verein leitete. Es war zum Glück ein Mann, der nicht jeden braunen Quatsch mitmachte und den Verein sicher über diese schlimme Zeit hinwegbrachte.

 

Nach dem Ausbruch des 2. Weltkrieges wurde der Teil eingerichtet, den wir heute Anlage Buschkämpen nennen; das war 1942. Diese Anlage hat 44 Gärten. Mit einem großen Teil Selbsthilfe sowie auch mit damals schon vorhandener öffentlicher Förderung wurden auf diesem Gelände Holzlauben einheitlicher Ausrichtung mit einer Größe von 12 m² errichtet. Einige dieser Holzlauben, mit später hinzugefügten Anbauten, sind dort noch zu sehen.

Eine noch erhaltene Gartenlaube alten Typs im Jahr 2015

Für die Errichtung gab es öffentliche Darlehnszuschüsse in Höhe von damals 600 RM, die abgetragen werden mussten. Die Anlage „Buschkämpen“ erhielt damals die etwas phantasie-lose Bezeichnung „Kolonie Abschnitt 1“.

 

Auf der gegenüberliegenden Seite, in dem Gebiet, in dem sich jetzt der Wremer Weg und der Neuenlander Weg befinden, wurde auf Kirchland 1943 eine Kleingarten-Kolonie zu denselben Bedingungen eingerichtet. Auch hier fanden 35 Kleingärten Platz, in den gleichen Holzlauben wie auch in Abschnitt 1, völlig einheitlich in Größe und Form, streng nach Bauflucht ausgerich-tet.

 

Den Kleingärtnern wurde damals empfohlen, zur Verbesserung der Ernährungslage Kaninchen und Hühner zu halten. Saatgut und Gemüsepflanzen waren von den Märkten längst ver-schwunden und wurden durch den Staat den Vereinen zugeteilt, die sich ihrerseits mit dem Problem der gerechten Verteilung an ihre Kleingärtner herumschlagen mussten.

 

Die Bombenangriffe der Jahre 1942/43 und insbesondere der große Angriff am 18.09.1944 führten zu einer ungeheuren Wohnungsnot im heutigen Bremerhaven. Viele ausgebombte Bürger fanden Zuflucht in diesen kleinen Holzlauben und mussten wohl oder übel eine not-dürftige Bleibe finden. Dieses war ein schweres Erbe für den damals demokratisch gewählten Vorsitzenden Kurt Ludwig.

 

Die Kleingartengebiete in Buschkämpen 1 und 2 und in der Fuhrparkweide waren durch die Kriegseinwirkungen faktisch Notaufnahmelager mit allen damit zusammenhängenden Proble-men. Es ging um die Wasser- und Stromversorgung, die Kleintierhaltung und die vielen Nach-barschaftsprobleme, die immer dann entstehen, wenn Menschen auf engsten Raum notdürftig miteinander leben müssen. Die Kleingärtner ließen sich jedoch nicht entmutigen, besannen sich auf ihre ursprüngliche Aufgabe und versuchten so gut wie es geht, ihre Gärten wieder einer ordentlichen kleingärtnerischen Nutzung zuzuführen.

 

Die Wiederaufbauphase, die in allen deutschen Städten begann, hat auch in Bremerhaven Land gefressen. Davon blieben auch die Kleingärtner nicht verschont. Der starke Bedarf an Wohnungen und öffentlichen Einrichtungen bewirkte erhebliche Verluste an kleingärtnerisch genutzten Flächen. Die Anlage Fuhrparkweide ging verloren, ebenso das unter so viel Mühen errichtete Kleingartengelände an der Unterweserwerft sowie der sogenannte Abschnitt 2, jetzt Wremer Weg/Neuenwalder Weg. Übrig blieb der bescheidene Rest von 44 Parzellen in der Anlage Buschkämpen.

 

Großer Dank gebührt den Vorsitzenden dieser Zeit Heinz Otten, Otto Brinkmann, Jonni Franz und Günter Scholl, die ihren Kleingärtnern Mut machten und durch ihre feste Haltung dazu beitrugen, dass Politiker und Behörden der Stadt Bremerhaven erkannten: Kleingärten sind kein Bauerwartungsland, sondern gehören als fester Bestandteil der Grünplanung der Stadt zum öffentlichen Grün und müssen als Wert an sich für die gesamte Bevölkerung erhalten und vermehrt werden.

 

Diese feste Haltung trug Früchte. Auch diese schöne Anlage Buschkämpen sollte nämlich einmal zu einem 1-Familienhaus-Gebiet umgestaltet werden. Leidenschaftliche Proteste der Kleingärtner einerseits und anerkennenswerte Einsicht der Politiker anderseits haben es bewirkt, dass diese Anlage wieder zu einem anerkannten Dauerkleingartengebiet wurde.

 

Neubeginn auf Geeste-Aue

Seit 1978 bewirtschaftet dieser Verein, der sich nunmehr „Verein der Gartenfreunde Süd-Lehe“ e.V. nennt, eine weitere Anlage im Ackmanngebiet unter dem Namen „Geeste-Aue“ mit 42 Gärten. Diese Kolonie wurde mit öffentlichen Mitteln erheblicher Größenordnung gefördert und darf getrost als Beispiel vernünftiger, sinnvoller und nachahmenswerter Kleingartenpolitik der Stadt Bremerhaven genannt werden.

 

Anstelle bisher völlig einheitlicher und in Bauflucht aneinandergereihter Typenlauben wurde eine Mischung aus 3 verschiedener Laubentypen in wechselnden Standorten auf den Par-zellen geplant und gebaut. Diese Anlage wurde Anfang der 80er Jahre um weitere 18 Dauer-kleingärten nach dem Süden zur Geeste hin erweitert. Aufgrund der guten Erfahrungen ging man noch einen Schritt weiter und erlaubte den Kleingärtnern, innerhalb zwischenzeitlich vom Gesetz festgelegter Größen sich den Laubentyp auszusuchen, den sie sich wünschten.

 

In all den Jahren fanden sich immer wieder tatkräftige Frauen und Männer, die bereit waren, zu Nutzen aller Vereinsmitglieder ehrenamtliche Arbeit zu leisten. Es werden außer den bereits Angesprochenen hier und jetzt keine weiteren Namen genannt, da denn mit Sicherheit jemand vergessen wird, der es ebenfalls verdient hätte.

 

Das Bemühen der Gartenfreunde, nicht nur für die Parzellen-Inhaber ein Stück geliehenes Grün zu schaffen, sondern auch für Bürger, die uns besuchen möchten, eine ansprechende und einladende Anlage vorzuweisen (in jeder unserer Anlagen befindet sich ein Kinderspiel-platz), ist vom Bund, vom Land, von der Stadt und auch von den übergeordneten Kleingarten-organisationen stets gewürdigt worden.

 

Es bleibt die Hoffnung, dass in den nächste 60 Jahren die Vereinsgeschichte nur noch durch „aufs“ und nicht durch „ab“ gekennzeichnet ist.

 

gez. Rolf Panzer 1992

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